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Elternliebe kann Berge versetzen

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Moers, 02.01.2009, Michael VON LEHMDEN


Elternliebe kann Berge versetzen

Die zehnjährige Vanessa Peschke aus Moers leidet an einer genetischen Krankheit. Kontakt zu Tieren macht sie zugänglicher.

Monika Peschke ist hellwach und konzentriert. Einerseits muss sie Fragen beantworten, andererseits hat sie immer ein Auge auf ihre Tochter. Vanessa ist unruhig, nervös und sie kann auch lauter werden, wenn sie nicht gleich ihren Willen bekommt. Monika Peschke hat die Situation gut im Griff, aber man sieht der jungen Frau an, dass es sehr anstrengend ist.

„Ich habe erst lernen müssen, mit der Behinderung meiner Tochter zu leben. Am Anfang wollte ich es nicht wahrhaben. Ich habe immer gesagt, dass Vanessa nur gefördert werden muss, dann renkt sich das alles wieder ein.” Fünf Jahre hat es gedauert bevor sie akzeptieren konnte, dass die jetzt Zehnjährige nie wie ein ganz normales Mädchen leben wird. Ihr Mann Robert ist da nüchterner. Er hat die Krankheit sehr schnell anerkannt.

Vanessa leidet an Monosomie Ipter. Ein Gendefekt, der die Entwicklung stark verzögert. Sie hat große sprachliche und motorische Defizite, teilweise autistische Züge. „Als ich mit meiner zweiten Tochter schwanger war, habe ich einen genetischen Test gemacht. Seitdem ist das alles klar.” Doch auch wenn die Diagnose im ersten Moment niederschmetternd war, haben die Peschkes nie aufgegeben, geignete Therapieen für ihre Tochter zu finden. Ihre Hoffnung: Vanessa soll lernen, selbstständiger den Alltag zu meistern. „Von nichts kommt nichts. Deshalb ist Förderung in allen Punkten so wichtig.”

Neben dem Angebot, das Vanessa in der Hilda-Heinemann-Schule bekommt, ist sie noch bei der Ergotherapie, Logopädie und Reittherapie. Einen Teil der Kosten muss die Familie aus eigener Tasche bezahlen. Manchmal gibt es Hilfe von der Caritas. Monika Peschke ist mit ihrer Tochter viel unterwegs. Da sie arbeitet, ist es manchmal eine schöne Plackerei, alle Termine unter einen Hut zu bekommen. Urlaub hat die Familie im letzten Jahr zum ersten Mal bei einem Freund in Polen machen können. „Das war so eine Art Bauernhof. Da waren viele Tiere, da war viel Wasser, und Vanessa hat sich richtig wohl gefühlt.”

Überhaupt hat Vanessa einen guten Draht zu Tieren. Das bestätigt auch Ergotherapeutin Anne Bloemen: „Sie wird zugänglicher und ruhiger.” Aufgrund dieser Erfahrung hält sie es für sinnvoll, dass Vanessa eine Delfintherapie macht. Sie selber hat diese Therapieform bei einem Praktikum in Antalya kennengelernt. „Ich hatte vorher viel gehört und war unsicher, ob es wirklich eine sinnvolle Therapieform ist. Aber ich habe mit eigenen Augen gesehen wie gut das wirkt. Es ist kein Allheilmittel, aber es gibt jeden Tag kleine Wunder.”

Worte, die die Augen von Monika Peschke leuchten lassen. Eine Mutter aus Moers hat ihr von ihrem Sohn erzählt, der dank einer Spendenaktion von Radio K.W. an einer Delfintherapie teilnehmen konnte. „Sie hat mir erzählt, wie gut die Therapie Torben getan hat. Das macht mir Mut.” Deshalb will sie nichts unversucht lassen, 3000 Euro für die Therapie aufzutreiben. „Wir haben eigentlich keine Erfahrung, aber es geht um Vanessa. Und für die tun wir alles.” Elternliebe kann ja bekanntlich Berge versetzen.

Ansprechpartner: Familie Peschke; Anne Bloemen, 02831/ 919 08 28.

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